Heute wurde auf allen Kanälen über den überraschenden Selbstmord des seit Jahren schwer depressiven Fußballspielers Enke berichtet.
Wie immer in solchen Fällen wird überall die große Ratlosigkeit beschworen, wie das passieren konnte. Die Depression ist der Schuldige für den Selbstmord, aber niemand fragt die naheliegendste Frage, woher ein so erfolgreicher junger Mann, zudem auch privat scheinbar "gefestigt", schwere Depressionen bekommen kann?
Lieber wird so getan, als komme eine Depression einfach so aus dem Nichts, wie ein Schnupfen. Man konzentriert sich auf den Umstand, dass Enke seine Krankheit verschwieg, nicht auf deren Ursache. Aber auch kein Wort darüber, dass es nunmal der Preis der "Männlichkeit" ist, nach außen immer stark tun zu müssen, zumal als Erfolgreicher.
Was also bringen uns solche "Nachrichten"? Machen Sie uns klüger oder helfen sie eher beim Zudecken unangenehmer Wahrheiten? Fest steht heutzutage: eine Depression entwickelt sich nicht "einfach so" aus dem Nichts. In Enkes Kindheit und/oder Jugend hat es sicher wiederholt Erlebnisse gegeben, die sein Vertrauen ins Leben nachhaltig erschüttert haben. Es wäre eine echte Nachricht, diese Zusammenhänge der Öffentlichkeit bewusst zu machen und zugleich das immer noch gültige Männlichkeitsideal zu kritisieren, das Härte ohne Rücksicht auf Verluste von uns Männern fordert. Wäre es Enke erlaubt gewesen, zu seiner Krankheit zu stehen, wäre er womöglich noch am Leben...
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