Freitag, 13. November 2009

Trotz Enke - die unverstandene Depression

Robert Enkes Selbstmord hat den Fokus auf die Depression gerichtet, was sicher erstmal gut ist! ABer beim Durchforsten von Nachrichten und Depressions-Infos im Netz wird immer wieder sichtbar, wie sehr allenthalben versucht wird, von den wahren Ursachen der Depression abzulenken. Sicher nicht mit bewusstem Vorsatz, aber dennoch.

Z.B. wird immer wieder die Genetik bemüht, ein beliebter "Erklärungs"-Ansatz für alle Bereiche, wo persönlicher Verantwortung aus dem Weg gegangen werden soll. Und als "Beweis" wird die Häufung von Depressionen in bestimmten Familienstammbäumen angeführt. Dabei ist längst bekannt, dass depressive Menschen keine guten Eltern sein können und daher auch deren Kinder oft depressiv werden. Dazu bedarf es keiner Depressions-Gene - die auch immer noch erfolglos gesucht werden.

Oder es wird der Eindruck erweckt, die messbaren Gehirn-Veränderungen seien Ursache und nicht Folge der Depression. Auch hier gibt es einen wesentlich plausibleren Erklärungsansatz: Wer in der Kindheit seiner Lebensfreude und Authentizität wiederholt beraubt wird - z.B. durch Schläge, Missbrauch, Vernachlässigung - der muss auch irgendwann sichtbare Beeinträchtigungen seines Gehirns davontragen. Diese sind aber Folge der einstigen Misshandlungen und nicht Ursache der Depression!

Drittens wird oft hilflos konstatiert, der Depressive - so auch Enke - habe doch "alles gehabt". Jedoch wird nie nachgefragt, ob dies "alles" auch wirklich das ist, was der einst noch gesunde, authentische Mensch sich für sein Leben gewünscht hat. Es wird einfach angenommen. Dabei bekennt so mancher scheinbar erfolgreiche Mensch hinter vorgehaltener Hand, dass er sich als Kind eigentlich ein anderes Leben gewünscht hatte.

Als Betroffener kann ich nur sagen: die Depression ist die natürliche und alles andere als rätselhafte Reaktion der Seele auf den Zwang zum Leben eines falschen Selbst, dessen Kern oft von den Eltern gesät und dann gehegt wurde. Wer Lob und Anerkennung immer nur für das Unechte, Falsche, aber den Eltern Gefällige bekommt, gibt irgendwann sein wahres Selbst auf und landet als Konsequenz früher oder später in der ersten Depression. Die Lebensenergie kann nie im Falschen fließen und muss deshalb zum Erliegen kommen, wenn das Authentische verloren ist, wenn die wahren Gefühle abgetötet und versiegt sind. Und das nennt man Depression!

Mittwoch, 11. November 2009

Ursache mal wieder "unauffindbar"...???

Heute wurde auf allen Kanälen über den überraschenden Selbstmord des seit Jahren schwer depressiven Fußballspielers Enke berichtet.
Wie immer in solchen Fällen wird überall die große Ratlosigkeit beschworen, wie das passieren konnte. Die Depression ist der Schuldige für den Selbstmord, aber niemand fragt die naheliegendste Frage, woher ein so erfolgreicher junger Mann, zudem auch privat scheinbar "gefestigt", schwere Depressionen bekommen kann?
Lieber wird so getan, als komme eine Depression einfach so aus dem Nichts, wie ein Schnupfen. Man konzentriert sich auf den Umstand, dass Enke seine Krankheit verschwieg, nicht auf deren Ursache. Aber auch kein Wort darüber, dass es nunmal der Preis der "Männlichkeit" ist, nach außen immer stark tun zu müssen, zumal als Erfolgreicher.

Was also bringen uns solche "Nachrichten"? Machen Sie uns klüger oder helfen sie eher beim Zudecken unangenehmer Wahrheiten? Fest steht heutzutage: eine Depression entwickelt sich nicht "einfach so" aus dem Nichts. In Enkes Kindheit und/oder Jugend hat es sicher wiederholt Erlebnisse gegeben, die sein Vertrauen ins Leben nachhaltig erschüttert haben. Es wäre eine echte Nachricht, diese Zusammenhänge der Öffentlichkeit bewusst zu machen und zugleich das immer noch gültige Männlichkeitsideal zu kritisieren, das Härte ohne Rücksicht auf Verluste von uns Männern fordert. Wäre es Enke erlaubt gewesen, zu seiner Krankheit zu stehen, wäre er womöglich noch am Leben...